- Walter
- Karl-Heinz
- Gerhard
- Gernot
Wir schreiben das Jahr 1997 – ganze herzallerliebste fünfzehn Jahre alt, das knuddelige Gesicht mit vielen gelben Punkten verziert, der Kehlkopf noch nicht so recht in Position und die Chancen auf eine erfolgreiche Punktladung beim anderen Geschlecht eher mager, denkt sich nun der schlaue Pubertierende einen Plan aus, um dieser Verschwörung der Natur zu entfliehen und trotz aller optischen Hindernisse Eindruck bei der holden Weiblichkeit zu schinden:
der gewiefte Adoleszent schnappt sich die von der großen Schwester geschmähte Gitarre und einen Fingerhut aus Mama’s Nähkästchen und hackt
solange auf die Saiten ein, bis das Erste aller Riffs erklingt:
Nein, nicht Smoke on the water, sondern Wild Thing von den Troggs.
Denn, so hat der Kleine goldrichtig geschlussfolgert, Lieder mit leichtem Text muss man seltener ganz alleine singen (kann also den widerspenstigen Kehlkopf
etwas kompensieren),
und da Mädels im Allgemeinen nicht unter dieser physischen Geißel Stimmbruch zu leiden haben sind sie sozusagen die ideale Ergänzung für die romantische
Lagerfeuerrunde.
Nun trug es sich allerdings in den späten 90ern zu, dass gar garstige Töne in der Hitparade zelebriert wurden, Eurodance, Techno und diese dicke singende
Familie mit dem Bootshaus,
jedenfalls schien die Gitarre höchstens noch als Feuerholz etwas zu taugen, bis mir im Traum der selige John Lennon erschien und mit wohlwollendem Lächeln
verkündete „All you need is love“.
Als ob ich mir dessen nicht bewusst gewesen wäre, vielen Dank auch John.
Aber siehe, da drehte er sich um und gab den Blick frei auf eine kreischende Frauenmenge (in schwarz-weiß und schlechter Bildqualität),
er lächelte noch einmal zurück, zückte seine unglaublich hässliche Gitarre und schrie zum ersten Akkord ins Mikrofon
„Just let me hear some of that Rock’n’Roll music!“ Wow. Und ich sah, dass es gut war.
Und mit sechzehn, seien wir doch ehrlich, da spielt doch nur noch die Jungschar mit Akustikgitarren.
Der Teenager von Welt hingegen schnallt sich etwas um,
von dem er im Nachhinein erfährt dass es die Form einer Stratocaster hat (aha ...) und stöpselt das Etwas in einen Verstärker mit Verzerrerrrrrrrrr.
Das sollte jetzt aber auf die Miezen wirken wie eine angeschossene Springmaus in der Fischfabrik. Allerdings ist mit einer Gitarre allein noch kein Staat, auch
kein Zwergstaat, zu machen, was fehlt,
ist das Fundament für die sphärischen Klänge. Ergo wird die Gründung einer Band obligat. Zwar durch die etwas vorschnelle Zusage zu einem Konzert dazu gezwungen,
alles zu nehmen was sein Instrument richtig herum halten kann und sich traut vor Menschen zu spielen, aber für das Unter-den-Tisch-spielen der Hauptgruppe hat es
dann doch gelangt und der wohlverdiente Preis durfte ENDLICH mit nach Haus genommen werden. Was jedoch nicht zu übersehen war:
das schönste Mädchen hat sich der Sänger gekrallt. Man staune und lerne ...
Sodenn, wie das halt so ist, Bands kommen und gehen, aber die Musik bleibt bestehen, der mittlerweile achtzehn gewordene Jüngling, der inzwischen sagenhafte zwei Bier an einem Samstagabend zur Bruste sich nehmen kann, spielt mal Bass und singt in Deutsch-Goritz, wird älter, verliebt sich, spielt Gitarre in Feldbach, wird älter, verliebt sich, spielt wieder mal Bass und singt, diesmal in Leibnitz und Deutschlandsberg, wird älter, beginnt an der Liebe im Allgemeinen zu zweifeln, kauft sich ein Mikro, wird Sänger in einer Studentenband und älter natürlich auch und feiert 2009 seinen 27. Geburtstag per Konzert in Graz in der Hopfenlaube. Im (vorwiegend weiblichen, harhar!) Publikum befinden sich neben zahlreichen Augenweiden, diversen Fotomodellen und vereinzelten Miss-Wahl-Triumphantinnen auch die nicht minder schönen Herren Hörmann und Krammer, deren primäres Augenmerk jedoch wohl auf die stimmlichen Fähigkeiten des Geburtstagskindes gerichtet war. Und so kam es, dass sie Hello sagten und der des Englischen mächtige Student sich sofort zuhause fühlte und derwegen nicht lange nachdachte:
"Hello. Sounds good!